Das Spinnrad und ich

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photo: Daniel Berkmann

Ich komme aus dem Süden Deutschlands, wo ich nach einem Marketing-Studium einige Jahre in einem Büro gearbeitet habe.
Irgendwann kam der Moment, an dem ich mich verändern wollte.

Nach einigen Urlaubsaufenthalten in der südwestlichsten Ecke Frankreichs – im Béarn – stand bald fest, dass ich genau dort leben möchte. Das Béarn ist eine wunderschöne, ländliche Region in Aquitaine, die an das Baskenland grenzt.

Es waren die Schafe meiner Nachbarn, die mich zu der Arbeit am Spinnrad inspirierten. Bald war die Idee geboren, selbstgesponnene Garne auf lokalen Märkten zu präsentieren und in einer kleinen Online-Boutique anzubieten. Da es hier sehr viele Schafherden gibt, konnte ich mit „schurfrischen“ Wollvliesen meine ersten Erfahrungen sammeln. Sortieren, Waschen, Kardieren, Spinnen – was für eine schöne, vielseitige Arbeit. Mit jedem Handgriff stieg meine Begeisterung für dieses Naturprodukt!

Ich habe mich entschieden, dass ich ausschließlich Wolle von Tieren, die in Frankreich leben, verarbeiten möchte.
Ich habe kleine Familienbetriebe gefunden, die großen Wert auf einen respektvollen Umgang mit ihren Tiere legen, sie lieben und ihnen ein artgerechtes Leben bieten.

Die Arbeit am Spinnrad ist sehr entspannend. Über Pedale wird das große Schwungrad angetrieben und die Hände führen kleine Faserstränge in Richtung Spinnflügel, wo sich das Garn auf die Spule wickelt. Die Arbeitsgeschwindigkeit hat man selbst in der Hand bzw. im Fuß. Diese Koordination benötigt etwas Übung, dann jedoch ist es ein schönes Gefühl, wenn sich das Garn Meter um Meter aufwickelt und man sich bewusst wird, dass aus vielen losen Fasern ein wunderbares Produkt entsteht – in völliger Ruhe und ohne Strom.

photo: Daniel Berkmann
Logo mon petit rouet
photo: Daniel Berkmann

Alle Garne von mon petit rouet sind handgesponnen und ungefärbt – um ihre natürliche Schönheit zu erhalten.

photo: Daniel Berkmann

Grundsätzlich sind alle Schritte – von der Schafschur über die Aufbereitung der Wolle, das Herstellen des Garns bis zum Stricken eines Pullovers – ohne den Einsatz von Elektrizität möglich.

Das ist es, was ich am Spinnen mag: Die Rückbesinnung auf eine alte Tradition, die Ruhe in der Verarbeitung, die völlige Unabhängigkeit von Steckdosen und das Gefühl von Zufriedenheit, das mich überkommt, wenn ich etwas von Hand hergestellt habe.

Mit mon petit rouet versuche ich einen Beitrag zum Erhalt eines alten Handwerks sowie zu einem respektvollen Umgang mit unserer Umwelt und den kostbaren, natürlichen Rohstoffen zu leisten.
Ich beziehe die tierischen Wollfasern ausschließlich von kleinen französischen Betrieben. Zum Einen um die Transportwege kurz zu halten, zum Anderen um die lokale Vielfalt an Schafrassen und anderen tierischen Wolllieferanten entdecken und teilen zu können.

Viel Spaß mit den Garnen von mon petit rouet
wünscht Ihnen

Julia Seeker